Haben Sie mal nen Tipp für mich?

„Haben Sie mal nen Tipp für mich? Was kann ich jetzt tun? Es brennt, ich brauche mal geschwind einen Ratschlag". Diese und ähnliche Aussagen bekomme ich immer wieder von meinen Kunden beim Coaching in Stuttgart zuhören. Der Druck ist groß und die Reaktionszeit Schaden abzuwenden klein. „Helfen Sie mir das Steuer kurzfristig herum zu reißen. Sie sind doch schließlich die Expertin für Änderungen". Ein schneller Tipp soll die Situation entspannen.

Wenn es richtig dringend ist, und das kenne ich von mir selber, möchten wir entweder rasche Hilfe oder wir ziehen uns zurück und warten bis der Sturm vorüber ist. Manchmal klappt es mit der Rückzugstaktik und ein anderes Mal hilft nur "Augen zu und durch".

 

Ich wollte ab einem gewissen Alter eher Handlungsanweisungen, denn Druck und Unsicherheit waren nur schwer zu ertragen. Gleichzeitig formulierte ich Bedingungen für einen Lösungsweg:

Er sollte leicht umsetzbar sein, schnell funktionieren und das Problem endgültig lösen, ohne dass der eigene Aufwand zu groß wird. Und ich wollte mich während der Umsetzung gut fühlen, es sollte Spaß machen und mich motivieren.

 

Ich bekam genügend Tipps und habe mit diesen Quick-Fix = schnelle (Schein)-Lösung Jahre verbracht: Krise – Tipp, Krise – Tipp, Krise – Tipp. Diese Berg und Talfahrt war anstrengend, aber sie erschien mir real, funktional und – alle anderen machten es doch auch so. Das beruhigte mich. Meistens jedenfalls.

 

Lange habe ich geglaubt, dass ich mein Verhalten nur dann verändern muss, wenn es mir schlecht geht. Und sobald der Leidensdruck weg ist, kann ich getrost mit den alten Gewohnheiten weitermachen. Ich lernte für Prüfungen um diese zu bestehen, nicht um das Wissen anzuwenden. Ich machte Jobs um Geld zu verdienen, nicht um der Firma einen Mehrwert zu bieten. Ich war Mittelmaß und kam durch, bis zur nächsten Herausforderung. Das nächste Problem war meist haargenau das Gleiche, wie vor 3 Monaten, vor einem halben Jahr oder vor zwei Jahren.

 

Im Prinzip erreichte ich fast immer das vorgegebene Ergebnis. Ich bekam den Job, ich bestand die Prüfung, ich raffte mich auf und machte 3 Wochen Sport. Doch dann passiert folgendes: das Ziel war erreicht, der Druck ließ nach und peu à peu rutschte ich in meinen alten Ausgangszustand zurück.

 

Erst ein Coaching öffnete mir im wahrsten Sinne des Wortes die Augen. Mein Coach schaute mit mir gemeinsam hin und nicht weg. Ganz pragmatisch und wertungsfrei nannte er die Dinge beim Namen. Er sagte mir, dass Hinschauen der erste Schritt ist Probleme langfristig zu lösen. Anders als in Seminaren oder Fortbildungen ging es hier nur um mich. Er stellte sich ganz auf mich und meine Situation ein. Zudem ging ich eine Verpflichtung ein, tatsächlich an meinen Themen zu arbeiten. Im Nachhinein weiß ich, dass mir keine andere Investition im Ergebnis so viel Zufriedenheit und Glück gebracht hat.