Eine Entschuldigungsgeschichte

Eine SMS erscheint auf meinem Handy. Tschuldigung, ich verspäte mich um 10 Minuten. Ich nehme es zur Kenntnis und schütte mir noch einen Kaffee ein. Immerhin bekomme ich eine Nachricht, denke ich und erinnere mich an meine Entschuldigung vorgestern Abend. Ich hatte vergessen einzukaufen. Also gab es ein improvisiertes Abendessen, anderthalb Stunden später als geplant. Schlimm? Eigentlich nicht, denn niemand musste verhungern - nur warten. Ich ärgerte mich über mich selber und - kochte besonders lecker.

 

Machen wir einen Fehler, können wir uns entschuldigen und schon ist die Sache aus der Welt. Wir haben das Notwendige getan und können weitermachen wie bisher. Das Mittel der Entschuldigung ist wie ein freundliches Versüßen der unangenehmen Lage. Wir geben etwas zu und gestehen unser schuldiges Vergehen ein. Mit ein bisschen Sühne/Mühe kochen wir die Emotionen der Anderen herunter und stehen wieder gut da. Perfekt! Oder gibt es doch einen Haken?

 

Die SMS mit der 10 minütigen Verspätung kam nicht zum ersten Mal. Sie ist zum Ritual geworden. Obwohl sie jedes Mal freundlich formuliert ist, bin ich leicht genervt. Ich frage mich, ob die gut gemeinte Entschuldigung hier nicht zum Mittel der hartnäckigen Zementierung einer schlechten Gewohnheit geworden ist? Frei nach dem Motto: Weil ich mich entschuldigen kann, muss ich nicht mehr pünktlich kommen?

 

Das heißt, mein Gesprächspartner verknüpft die Entschuldigung mit der Erwartung auf großzügiges Verzeihen. Doch ich will etwas ganz anderes. Ich erwarte Zuverlässigkeit bei Terminen. Das Entschuldigen hat demnach zwei Aspekte. Es zeugt von Größe bei einem einmaligen Fehlverhalten. Und es erzeugt Unwillen bei Dauer-Anwendung.