Disziplin - faszinierend oder frustrierend

Schütteln Sie sich auch innerlich, wenn Sie das Wort Disziplin hören? Der Begriff Disziplin hat keinen guten Ruf, obwohl man uns hier in Deutschland Genauigkeit und Disziplin immer noch nachsagt. Vor meinem geistigen Auge ziehen Bilder von "im Gleichschritt marschierenden Soldaten und durchtrainierten, athletischen Männern" vorbei. Bei den gutgebauten Männern verändert sich meine Bewertung. Das Wort Disziplin bekommt zugleich etwas Faszinierendes.

 

Definierte Oberarme und eine athletische Figur machen auch Frauen attraktiv. Es wäre sicherlich cool als Frau in einer typischen Männerbranche zu arbeiten, dachte ich damals und malte mir die Situation recht farbenfroh aus. Als ich Jahre später gefragt wurde, ob ich eine Personenschutzausbildung absolvieren wollte, war ich interessiert, motiviert, aber auch angespannt.

 

Hätte ich genau gewusst, was auf mich zukommt, so wäre ich auf und davon gelaufen. Die Ausbildung war hart und meine Motivation hielt gerade mal eine Woche an. Dann dominierten Durchhaltevermögen, eiserner Wille, Überwindung und Disziplin. Was lies mich diese kraftzehrende Ausbildung durchhalten? Mein Ziel! Ich wollte als Frau in dieser Männerdomäne erfolgreich und bekannt werden.

 

Während der Zeit des Lernens musste ich einzig und allein tun. Ich hangelte mich von Zwischenziel zu Zwischenziel. In einigen Disziplinen wollte ich die Beste sein und lies die Kollegen weit hinter mir. "Niedrige" Beweggründe sind oft starke Antreiber. Gleichzeitig war ich verlässlich, teamfähig und suchte nach Lösungen. Ich arbeitete diszipliniert an meinem Erfolg und überzeugte später im Berufsleben mit neuen Ansätzen und unorthodoxen Maßnahmen. War das so einfach wie es sich hier anhört? Nein, keineswegs. Nicht immer klappte alles auf Anhieb. Es gab jede Menge Kurskorrekturen und Enttäuschungen.

 

Diszipliniert sein heißt vielfach: kurz innehalten und wieder weitermachen. Mit etwas anderen Maßnahmen, mehr Einsatz, auf einem anderen Weg, mit mehr Training oder veränderter Planung. Disziplin gepaart mit Mut, Anstrengung und erreichbaren Zielen führte in meinem Fall zu Respekt, Anerkennung, Empfehlungen, Vortragstätigkeiten, Artikeln usw. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Fachvortrag vor 100 Personenschützern erinnern. Die Ablehnung dieser gestandenen Männer war groß - genauso wie der Applaus nach dem Vortrag.

 

Diszipliniert zu sein ist Arbeit. Es ist der Weg in ein verantwortungsbewusstes Leben. Die Wesenskennzeichen der Disziplin sind daher langfristige, herausfordernde Ziele, gute Planung und das kontinuierliche, tägliche Tun. Einfach nur tun - ohne Wertung, ohne Gefühl, ohne Widerstand. Besonders dann, wenn es mal nicht auf Anhieb klappt. Eigentlich einfach - oder?