Aufraffen statt ausruhen

Wie schön gemütlich ist es bei mir zuhause auf dem Sofa. Es ist warm, kuschelig und so richtig bequem. Etwas Leckeres zu trinken habe ich im Kühlschrank bereits kalt gestellt. Ein wunderbar entspannter Abend stünde mir bevor, wenn ich mich nicht verpflichtet hätte, zwei Mal in der Woche laufen zu gehen. Dieser Vorsatz nagte an mir wie ein juckender Mückenstich. Er lässt mir keine Ruhe. Die letzten drei Tage hatte ich keine Zeit. Heute Abend habe ich keine Lust. Aber eigentlich wäre es mein Lauftag.

 

Meine innere Stimme klingt mahnend, dann wieder beschwichtigend. Ich gehe zum Kühlschrank und kehre kurz vorher wieder um. Verdammt. Was hält mich davon ab meine Joggingsachen anzuziehen? Ich setze mich wieder auf die Couch. Unzufriedenheit kriecht in mir hoch. Der Krimi im Fernsehen war auch schon mal spannender. Meine gute Laune ist verflogen. Unwillig ziehe ich im Zeitlupentempo meine Sportsachen an.

 

Die ersten Schritte auf dem Asphalt fallen mir schwer. Meine Beine fühlen sich bleiern und müde an. Ich reiße mich zusammen und laufe Richtung Park. Ich atme die kühle Luft ein und rieche das frische Grün der üppig sprießenden Weiden am Wegesrand. Meine Lungen füllen sich mit reinem Sauerstoff – so fühlt es sich wenigstens an. Nach fünf Minuten haben sich meine inneren Widerstände aufgelöst, nach 15 Minuten sind meine Schritte leicht und federnd. Ich denke an den morgigen Tag und das komplizierte Projekt. Leicht und ohne Mühe entstehen in meinem Kopf gute, wenn nicht sogar geniale Ideen, wie ich meinen Chef und das Projektteam doch noch zufrieden stellen kann.

 

Ich bin stolz darauf mich überwunden zu haben. Mein Körper und mein Geist danken es mir. Warum spüre ich immer erst im Nachhinein, wie glücklich es mich macht, mich selber zu überwinden.