Schuld und Sühne

Wer kennt ihn nicht, den Mechanismus von Schuld und Sühne? Schuld kann durch Sühne getilgt werden. Wenn wir nur genug sühnen, uns die Schuld geben, leiden und uns anprangern, dann sind wir sie irgendwann los, die Schuld, die uns zu ersticken droht. 

Dieser Mechanismen ist uralt. Er steckt tief in uns und hat bereits im Kindesalter funktioniert. Schuld ist gesühnt worden, durch Schelte, Schimpftiraden der Eltern, Klapse auf das Hinterteil und ähnliche Handlungen. Danach waren wir wieder frei und der Fehler, das Missgeschick, die Schuld, die wir auf uns geladen hatten, abgetragen. Dieser Mechanismus funktioniert perfekt solange wir Kinder sind und Eltern uns beschützen.

Reifen wir heran und treten ein ins Leben der Erwachsenen findet ein Paradigmenwechsel statt. Erwachsen sein bedeutet die komplette Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen. Daraus resultiert folgende Erkenntnis: Alles was uns im Leben passiert haben wir selber verursacht. Unser Leben ist also eine Abfolge von Ursachen, die wir teilweise bewusst und teilweise unbewusst setzen und entsprechende Wirkungen ernten.

Das heißt: Wenn uns als erwachsene Person ein Fehler oder eine Entgleisung passiert oder wir uns mit einem Problem herumschlagen, dann ist die Frage nach der Schuld völlig überflüssig. Selbst ein Sühnen dieser Schuld bringt uns nicht weiter. Einzig und allein das Aufdecken des Ursache- Wirkungskomplexes bringt uns weiter im Sinne einer Lösung, eines Lerneffektes, einer Zielerreichung.

Aus alter Gewohnheit machen wir das aber nicht. Statt uns zu ändern und andere Ursachen zu setzen, verschieben wir das Problem lieber in den Schuld/Sühne Raum. Wir sühnen oder bestrafen uns ordentlich und halten damit das Problem für gelöst. Das "sühnen" erleichtert. Tatsächlich aber kommt das Problem wieder. Manchmal sogar verschärft. Nix hat sich durch das Sühnen geändert. Warum? Weil wir wieder und immer wieder die gleichen Ursachen setzen.

Wie lösen wir ein Problem tatsächlich? Der erste Schritt ist die wertfreie Beschreibung des Sachverhaltes. Lassen Sie alle Bewertungen weg und konzentieren Sie sich einzig und allein auf das Beschreiben. Dieser Schritt ist oft schwieriger als gedacht. Jetzt folgt der Schritt der Aktzeptanz und erst im dritten Schritt beginnen wir mit dem Finden von Lösungen. Wir lernen ein anderes Verhalten und ändern uns. Damit setzen wir andere Ursachen, das Problem ist für immer gelöst und kommt nicht wieder.  Das Prinzip Ursache-Wirkung ist der erwachsene Weg, die Herausforderungen des Lebens zu meistern.

Den Weg der Veränderung habe ich in Geschichten verpackt in meinen ersten Buch beschrieben - detailliert, verständlich, nachvollziehbar.