Eine Geschichte, die das Leben schrieb...



Ich saß mit Frank im Auto und lauschte einer Hör-CD. Eine sonore Männerstimme präsentierte uns am laufenden Band persönliche Beispiele zum Thema Eigenverantwortung, Ziele, Eigeninitiative, Selbstmanagement. Es war unterhaltsam und bedeutsam zugleich und mündete in folgendem Satz: „Dauernd wollen wir es anders haben, ohne uns selbst zu ändern“.

Wir schwiegen. Schließlich fragte ich: „Und?“ Mein Beifahrer räusperte sich und meinte, er würde schon eine ganze Weile darüber nachdenken, was die Firma in die er gerade einsteigt, verändern müsste, um endlich erfolgreich zu werden.

„Welche Verhaltensweisen müsste der Firmenchef aufgeben und verändern? Was müsste er tun, damit die Kunden zufrieden sind, der Geldfluss funktioniert und die Mitarbeiter ausgelastet sind? “ Selbst objektive Beobachter gaben Frank Recht bei der Beurteilung der aktuellen Firmensituation. Schuld war die derzeitige Geschäftsführung.

Frank will ein besseres Gehalt, ein motiviertes Team und Erfolg im neuen Job. Deshalb hatte er sich beruflich verändert und seinen bisherigen Job aufgegeben. Vom Regen in die Traufe zu kommen war nicht sein Ziel. Anfänglich hatte ihn die Idee, in der neuen Firma einzusteigen fasziniert.

Aber nach zwei Monaten sah er sich damit konfrontiert, dass die anderen einfach nicht ändern wollten und gerade so weitermachen wie bisher. Er hatte seine Wohnung, sein bisheriges Firmenauto und noch einige andere Dinge aufgegeben. Nun hatte er das Gefühl, dies würde weder geschätzt noch gewollt. Er schaute mich vorwurfsvoll an.

„Weißt du was ich gerade sehe und höre?“, entgegnete ich, den Blick auf die Fahrbahn gerichtet. „Ich nehme dich als einen Mann wahr, der nicht ändern will. Deine früheren Mitarbeiter wollten auch nicht so, wie du wolltest. Die endgültige Lösung war dann für dich zu gehen. Nun wiederholt sich die Situation, nur beginnen die Probleme sehr viel schneller. Du suchst die Lösung im Umfeld. Sag mir lieber was du verändern kannst?“ Ich drehte den Kopf und schaute ihn kurz und intensiv an. Er blickt aus dem Fenster bevor er antwortet.

„ Ich glaube ich schmeiß alles hin. Es hat sowieso keinen Sinn. Es funktioniert einfach nicht.“ Ich frage rasch nach. „Was funktioniert nicht? Das Wunder, das du erwartest? Die Über-Nacht-Erkenntnis der anderen? Damit wirst du wahrscheinlich Recht haben. Das funktioniert nur sehr selten. Aber du hast die Wahl, entweder dein Leben in der Hoffnungsschleife der großen Erwartungshaltung zu verbringen. Oder mit offenen Augen die Probleme und Aufgaben zu sehen, die vor dir liegen. Akzeptiere sie und finde Lösungen.

„Was kann ich konkret tun?“ Frank nimmt nach einer Zeit des Schweigens wieder Fahrt auf. „Beschreibe alles was du erlebst oder was geschieht ohne deine persönliche Bewertung. Lass alle Gefühle raus und benenne nur die Fakten.“ „Du meinst, ich solle alle Kraftausdrücke weglassen und nur in gut oder schlecht einteilen?“

„Nein, auch nicht in gut oder schlecht, denn auch diese Einteilung ist eine Wertung. Beschreibe möglichst sachlich, als ob du ein „Außerirdischer Beobachter“ wärst, der die Vorgänge auf der Erde beschreibt und aufzeichnet. Benutze Verben statt Adjektive. Tue etwas, schreibe eine Mail oder ein Angebot, führe ein Gespräch, telefoniere mit einem Lieferanten – und zwar egal was du im Moment glaubst, egal wie du dich fühlst, unabhängig davon wie es dir geht und ob es dir gefällt. Mache es einfach.“

„Und nun steige aus, denn wir sind am heutigen Ziel angekommen. Setze jeden Tag um, was wir besprochen haben. Rufe mich an oder schreibe mir, wenn du Fragen hast. In einer Woche sehen wir uns wieder.“

Frank stieg aus, den Kopf voller Gedanken und guter Vorsätze. Zuhause stolperte er im Flur, wie fast immer, über die unendliche Schuhvielfalt seiner Frau. „Kannst du nicht einmal die Schuhe ordentlich hinstellen, dass ich nicht jedes Mal darüber falle?“, platzte es aus ihm heraus - laut und emotional.

Dann stoppte er sich. Und auch alle weiteren Worte, die ihm noch auf der Zunge lagen. Er atmete tief ein und aus und öffnete den Schuhschrank. Ruhig und ordentlich stellte er 5 Schuhpaare nebeneinander in die dafür vorgesehenen Fächer. Er grinste still in sich hinein und ging in die Küche.

Auch wenn diese Tat nicht die Lösung seiner beruflichen Herausforderung war. Es war ein erster Schritt in die richtige Richtung.